Wer sich zur Basistheorieprüfung für den Führerausweis der Kategorie A, B, A1 oder B1 anmeldet und noch keinen solchen besitzt, muss den Verkehrskundeunterricht (VKU, VZV Art. 18) vorher absolviert haben. Der Kurs darf frühestens sechs Monate vor Erreichen des Mindestalters besucht werden.
Ab 2027 wird der VKU modernisiert: Der Kurs umfasst weiterhin vier Unterrichtsblöcke à insgesamt acht Stunden, wird jedoch neu auf vier separate Tage aufgeteilt. Inhaltlich stehen Fahrberechtigung, Fahrzeug, Verantwortung, Rücksichtnahme sowie Strasseninfrastruktur und defensive Fahrweise im Vordergrund. Neu werden zudem Fahrerassistenz- und Automatisierungssysteme ausdrücklich im Lehrplan berücksichtigt. Die Kursbescheinigung bleibt unbeschränkt gültig.
Modul 1 – Grundlagen des VKU
Das erste Modul legt das Fundament der Fahrausbildung. Du setzt Dich mit den Kompetenzen auseinander, die es braucht, um ein Fahrzeug sicher im Strassenverkehr zu führen – von der Basistheorie über die Lernfahrten bis zur praktischen Prüfung. Dabei wird klar: Verkehrssinn entsteht nicht in wenigen Stunden, sondern durch Wissen, Training und Verantwortung.
Du lernst, welche Pflichten Du mit dem Lernfahrausweis übernimmst, was in Bezug auf Verkehrsregeln und Haftung gilt und weshalb Vorschriften notwendig sind. So fördert der VKU nicht nur Wissen, sondern auch die Akzeptanz für Regeln.
Als Lernfahrer trägst Du zudem Mitverantwortung für ein verkehrssicheres Fahrzeug: Mängel erkennen, Reifen, Beleuchtung und saisonale Besonderheiten wie Schnee oder Eis im Blick behalten – all das gehört dazu.
Schliesslich lernst Du, wie sich Gefahrensituationen aufbauen und welche typischen Unfallursachen bei Neulenkenden auftreten. Diese frühe Sensibilisierung macht Modul 1 zum unverzichtbaren Einstieg in eine verantwortungsvolle Fahrausbildung.
Modul 2 – Fahreignung, Fahrfähigkeit und Verantwortung
Das zweite Modul stellt Deine persönliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Es wird klar unterschieden zwischen Fahreignung, Fahrfähigkeit und Fahrstil. Wer grundsätzlich fahren darf, ist nicht automatisch in jeder Situation fahrfähig. Müdigkeit, Alkohol, Medikamente, Stress oder Ablenkung können die Fahrsicherheit massiv beeinträchtigen. Du lernst, diese Einflüsse früh zu erkennen und Deine eigenen Grenzen realistisch einzuschätzen.
Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Ein zentrales Thema ist die Aufmerksamkeit. Du verstehst, warum das Sehen im Strassenverkehr eine dominante Rolle spielt und wie Wahrnehmung, Blickführung und Reaktion zusammenhängen. Den Verkehr nur anzuschauen reicht nicht – er muss richtig gelesen werden. Deshalb setzt der VKU auf modernes Verkehrssehen: systematische Beobachtung, Blicktechnik, Voraussicht und das Erkennen relevanter Informationen in komplexen Situationen.
Fahrassistenzsysteme (FAS)
Neu im Lehrplan ist die Behandlung moderner Fahrassistenz- und Automatisierungssysteme. Du lernst, welchen Nutzen Notbremsassistenten, Spurhaltehilfen oder Abstandsregelungen bieten – und wo ihre Grenzen liegen. Technik kann unterstützen, ersetzt aber niemals Deine Verantwortung. Kontrolle und Aufmerksamkeit bleiben stets beim Menschen.
Selbsteinschätzung und Fahrstil
Abschliessend reflektierst Du Deinen eigenen Fahrstil. Wie beeinflussen Gruppendruck, Selbstüberschätzung oder Routine Dein Verhalten? Sicherheit entsteht nicht aus dem subjektiven Gefühl, sicher zu fahren, sondern aus realistischer Selbsteinschätzung und verantwortungsvollem Handeln.
Modul 3 – Verkehrsdynamik und Rücksichtnahme
Das dritte Modul widmet sich den anderen Verkehrsteilnehmenden. Sichere Mobilität funktioniert nur, wenn Du andere richtig einschätzen kannst. Rücksichtnahme ist dabei keine blosse Höflichkeit, sondern eine echte Sicherheitsstrategie.
Vielfalt im Strassenverkehr
Im städtischen Alltag begegnest Du Fussgängern, Kindern, älteren Personen, Velofahrenden, E-Bikes, E-Trottinetts, Motorrädern, Trams und Lastwagen. Alle bewegen sich unterschiedlich, haben andere Platzbedürfnisse und andere Wahrnehmungsmöglichkeiten. Du lernst deshalb, Verkehrssituationen nicht nur aus der Perspektive des Autofahrers zu betrachten, sondern auch aus der Sicht der anderen.
Die 4-A-Analyse
Ein zentrales Werkzeug ist die 4-A-Analyse: Art der Fortbewegung, Alter, Aufmerksamkeit und Absicht. Damit lernst Du, andere nicht nur zu sehen, sondern ihr Verhalten frühzeitig einzuschätzen. Hat mich die Person wahrgenommen? Könnte sie plötzlich die Fahrbahn betreten? Ist das Zweirad instabil? Solche Überlegungen machen im Alltag oft den entscheidenden Unterschied zwischen sicherem und riskantem Fahren.
Grosse und schwere Fahrzeuge
Busse, Lastwagen und Trams haben längere Bremswege, grössere tote Winkel und andere Platzverhältnisse als ein Personenwagen. Wer das versteht, fährt automatisch vorsichtiger und defensiver – eine wichtige Grundlage für das sichere Fahren im Alltag.
Modul 4 – Verkehrstaktik: Strasseninfrastruktur und defensive Fahrweise
Im vierten Modul wird alles zusammengeführt. Du lernst, Strassen, Infrastruktur, Wetter, Sichtverhältnisse und Verkehrsdichte richtig einzuschätzen und daraus eine sichere Fahrweise abzuleiten. Sicheres Fahren hängt immer vom Umfeld ab – nicht jede Strasse, Tageszeit oder Wetterlage verlangt dasselbe Verhalten.
Alltagssituationen und Witterung
Das Modul behandelt typische Situationen wie Begegnungszonen, Tempo-30-Zonen, Kreisverkehrsplätze, Landstrassen, Tunnel und Autobahnen. Ebenso werden Witterungseinflüsse wie Regen, Nebel, Schnee und Eis thematisiert. Du lernst, Geschwindigkeit, Abstand und Fahrverhalten gezielt anzupassen.
Die VOR-Analyse
Ein zentrales Werkzeug ist die VOR-Analyse: Du beurteilst Strassen systematisch nach Verlauf, Oberfläche und Rand. So lernst Du, Strassen nicht nur zu befahren, sondern richtig zu lesen – eine Fähigkeit, die in den Fahrstunden, an der Prüfung und im Alltag gleichermassen wertvoll ist.
Fahrdynamik und Verantwortung
Abschliessend befasst Du Dich mit Reaktions-, Brems- und Anhalteweg, Fliehkraft sowie Kurvenverhalten. Hinzu kommen Themen wie Beladung, Kindersicherung, Ladungssicherung und typische Fahrmanöver. Assistenzsysteme werden dabei stets mitgedacht – unter dem Grundsatz: Technik unterstützt, ersetzt aber nie die Verantwortung des Menschen.
Wer alle vier Module des VKU verinnerlicht hat, verlässt den Kurs nicht nur mit der Theorie, sondern mit dem Fundament für ein Leben lang sicheres und verantwortungsvolles Fahren.
In der theoretischen und praktischen Führerprüfung zum Erwerb des Führerausweises für Personenwagen und Motorräder werden neu die Kenntnisse der Kandidatinnen und Kandidaten zu Fahrerassistenz- und Automatisierungssystemen geprüft.
Die technischen Anforderungen und die Kategorisierung bei E-Bikes werden angepasst. Es wird neu die Kategorie der schweren Elektro-Motorfahrräder geschaffen. Diese Fahrzeuge dürfen ein Gesamtgewicht von 450 kg aufweisen. Bisher waren solche Fahrzeuge als Kleinmotorräder zugelassen. Die hauptsächlich für den gewerbsmässigen Personentransport eingesetzten Elektro-Rikschas bleiben als eigene Kleinmotorradkategorie bestehen.
Die Bedeutung der Signale «Fahrrad» und «Motorfahrrad» werden erweitert: Das Symbol «Fahrrad» gilt für Velos und neu für alle Unterkategorien von Motorfahrrädern (schnelle und langsame E-Bikes, E-Trottinette bis max. 20km/h etc.). Das Symbol «Motorfahrrad» umfasst wie bisher schnelle E-Bikes und benzinbetriebene Mofas (schnelle Motorfahrräder) sowie die neu geschaffene Kategorie «schwere Elektro-Motorfahrräder». Verkehrsflächen, die mit einem Fahrverbot für Motorfahrräder signalisiert sind, dürfen mit diesen Fahrzeugen nicht befahren werden, neu auch nicht mit abgestelltem Motor. Die verantwortlichen Behörden können schnelle und schwere Motorfahrräder künftig, je nach lokalen Verhältnissen, von der Pflicht ausnehmen, Velowege zu benützen.
Sehtest
1. Gruppe (Kategorien A, B, A1, B1, F, G oder M)
Bei der Einreichung eines Gesuchs um einen Lernfahrausweis ist kein Sehtest mehr erforderlich, sofern ein gültiger Lern- oder Führerausweis einer dieser Kategorien vorhanden ist.
2. Gruppe (Kategorien C/D, C1/D1 oder BPT)
Kein Sehtest erforderlich, das Sehvermögen wird im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung überprüft.
Verkehrsmedizinische Untersuchung
Bei der Einreichung eines Gesuchs um eine Führerausweiskategorie der 2. Gruppe (Kategorien C/D, C1/D1 oder BPT) ist keine verkehrsmedizinische Untersuchung mehr notwendig, sofern man bei der Gesuchstellung schon im Besitz einer dieser Kategorien ist. In diesen Fällen laufen die Intervalle der bisherigen Untersuche normal weiter.
Motorradführerprüfungen
Zur Steigerung der Prüfungsqualität wird die Prüfungsdauer, gemäss VZV Anhang 12, von 30 Minuten auf 60 Minuten pro Kandidat*in erhöht. Wie bisher werden Motorradprüfungen in Doppelbesatzung durchgeführt und dauern somit 120 Minuten, die Gebühren werden entsprechend angepasst.
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